Eksamen: PSP5842 | Semester: Vår 2023 | Varighet: 5 timer
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Sehr geehrte Redaktion,
Ihr Artikel über die Zustände in der industriellen Tierhaltung hat mich zutiefst betroffen gemacht. Die Zahlen sind erschreckend: 98 % der in Deutschland konsumierten Hühner stammen aus Massentierhaltung, in der die Tiere unter Bedingungen leben, die jeder ethischen Grundlage entbehren.
Es handelt sich hierbei nicht bloß um ein Tierschutzproblem. Der massive Einsatz von Antibiotika in der industriellen Tierhaltung gefährdet unmittelbar die menschliche Gesundheit, und die ökologischen Folgen – Grundwasserverschmutzung, Treibhausgasemissionen – sind hinlänglich dokumentiert.
Anstatt auf freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie zu setzen, sollte der Gesetzgeber endlich verbindliche Standards schaffen, die dem Tierwohl und dem Verbraucherschutz gleichermaßen Rechnung tragen.
Hochachtungsvoll
Sigrid Olsen
Die Gleichstellung der Geschlechter gilt in den deutschsprachigen Ländern als weitgehend erreicht. Die Realität zeichnet jedoch ein differenzierteres Bild. Trotz gesetzlicher Gleichberechtigung verdienen Frauen in Deutschland durchschnittlich 18 % weniger als Männer, und der Anteil weiblicher Führungskräfte in DAX-Unternehmen liegt bei bescheidenen 15 %.
Wie Text 1 hervorhebt, hat die Einführung der Frauenquote für Aufsichtsräte zu messbaren Fortschritten geführt. Doch Kritiker weisen darauf hin, dass eine Quote allein die strukturellen Ursachen der Ungleichheit nicht beseitigt. Die ungleiche Verteilung von Sorgearbeit, unzureichende Kinderbetreuung und tradierte Rollenbilder wirken als unsichtbare Barrieren fort.
Text 2 betont die Bedeutung kultureller Veränderungen: Solange Männer, die Elternzeit nehmen, als „mutig" gelten und nicht als selbstverständlich, bleibt wahre Gleichstellung eine Illusion.
Bemerkenswert ist, dass die Schweiz – oft als fortschrittlich wahrgenommen – das Frauenwahlrecht erst 1971 einführte. Im Kanton Appenzell Innerrhoden durften Frauen sogar erst ab 1990 auf kantonaler Ebene wählen.
Gleichstellung ist kein Zustand, sondern ein Prozess – und dieser Prozess ist, auch im 21. Jahrhundert, noch lange nicht abgeschlossen.
Kaum ein deutsches Wort ist so bedeutungsschwer – und so schwer zu übersetzen – wie „Heimat". Es bedeutet mehr als „Zuhause", mehr als „Herkunft", mehr als „Vaterland". Es ist ein Wort, das nach Apfelkuchen duftet und nach Kindheit klingt, das aber auch missbraucht und instrumentalisiert worden ist.
Die Nationalsozialisten machten „Heimat" zu einem Kampfbegriff der Ausgrenzung: Wer nicht dazugehörte, hatte keine Heimat verdient. Diese Vergiftung des Begriffs wirkt bis heute nach. Wenn heute Politiker von „Heimatschutz" sprechen, schwingt für viele ein Unbehagen mit.
Und doch lässt sich der Begriff nicht einfach abschaffen. In einer Welt, die von Globalisierung, Migration und Beschleunigung geprägt ist, wächst das Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Verwurzelung. Die Frage ist: Kann „Heimat" ein offener, inklusiver Begriff sein – oder ist er untrennbar mit Abgrenzung verbunden?
Der Schriftsteller Navid Kermani, Kind iranischer Einwanderer und in Köln aufgewachsen, hat eine überzeugende Antwort formuliert: „Heimat ist dort, wo man nicht erklären muss, wer man ist." Diese Definition löst den Begriff aus seiner ethnischen Enge und öffnet ihn für eine Vielfalt von Erfahrungen.
Für mich als norwegische Deutschlernende hat „Heimat" einen besonderen Klang. Im Norwegischen gibt es kein genaues Äquivalent – vielleicht „hjemsted" oder „tilhørighet", aber keines dieser Wörter trägt die gleiche emotionale Last.
Vielleicht liegt darin die tiefste Wahrheit über Sprache: Manche Gefühle lassen sich nur in der Sprache ausdrücken, in der man sie zum ersten Mal empfunden hat. Heimat ist, wo die Worte stimmen.